aktion tier Lottihof Begegnungsstätte für Kinder und Tiere
aktion tier Lottihof

Mehr als ein Praktikum

Im letzten Jahr habe ich über mein Praktikum auf dem aktion tier Lottihof berichtet. Zum Zeitpunkt der Abgabe ahnte ich noch nicht, dass es nicht nur bei einem Praktikum bleiben sollte. Glücklicherweise hat es von beiden Seiten so gut gepasst, dass ich heute fester Bestandteil des LottihofTeams sein darf. Mittlerweile darf ich seit über einem Jahr meinem Traumjob nachgehen und konnte die vielseitige Arbeit, die der Job so mit sich bringt, noch viel besser kennenlernen.

Theresa Weinrich ist nun fester Bestandteil des Mitarbeiter-Teams auf dem aktion tier Lottihof
Die frühere Praktikantin Theresa Weinrich ist nun fester Bestandteil des Mitarbeiter-Teams auf dem aktion tier Lottihof. Foto: aktion tier Lottihof

Besonders erfreulich war, dass die Sommerferien mit unseren Ferienkindern stattfinden konnten. Dies war 2020 aufgrund der Corona-Maßnahmen leider nicht möglich. Sechs Wochen lang gab es durchgehend Trubel auf dem Hof, aber auch jede Menge Hilfe von den Kindern. Jede Woche schliefen ca. zwölf Kinder in unserem Kinderhaus und bestritten mit uns gemeinsam den kompletten Hof-Alltag. Das hieß morgens um 7:00 Uhr mit uns rausgehen zum Tiere füttern, bis abends um 17:30 Uhr die Tiere in ihre Ställe gebracht wurden. Für die Kinder im Alter von 7-15 ein straffes Programm, trotz Erholungspausen.

Täglich halfen uns die Kinder beim Ausmisten, Füttern, Heunetze stopfen und vielen weiteren Aufgaben. Natürlich kam auch die "schöne" Zeit nicht zu kurz, in der die Kinder Ponys striegeln, Esel putzen oder einfach nur Tiere kuscheln durften. Dabei ist uns wichtig, dass die Jüngsten lernen, dass es eben nicht nur das ist – Tiere kuscheln. Bei uns lernen unsere kleinen HelferInnen, wieviel Arbeit Tiere machen, und so manche Kinder konnten erproben, ob sie auch wirklich selbst bereit für ein Haustier wären. Denn bei einigen Kindern war der Wunsch zum Beispiel nach einem eigenen Kaninchen groß. Auch bei Kindern, die das Ausmisten und andere anfallenden Arbeiten nicht gescheut haben, sollten die Eltern bitte vor der Anschaffung eines Tieres oder mehrerer Tiere bedenken, dass ein Haustier länger als nur eine Woche gepflegt und versorgt werden will. Kaninchen beispielsweise (die immer mindestens zu zweit gehalten werden sollten) können bis zu neun Jahre (manchmal sogar älter!) alt werden. Das ist nicht nur zeitintensiv, auch der Kostenpunkt sollte berücksichtigt werden.

Der aktion tier Lottihof
Der aktion tier Lottihof ist eine Oase für Tiere. Foto: aktion tier Lottihof

Bei jedem Tier fallen monatliche Kosten für Futter, Einstreu und den Besuch beim Tierarzt an – ganz egal, wie klein das Tier ist. Und es sollte klar sein, dass viel Arbeit auch an Ihnen, liebe Eltern, hängen bleiben wird, je nachdem, wie alt und verantwortungsbewusst Ihre Kinder sind.

Eine unerwartete Liebe

Die Tage im Sommer waren lang, und so hatte ich nach aller erledigter Arbeit Zeit, meiner liebsten Leidenschaft nachzugehen: die Arbeit und das Training mit unseren sieben Eseln. Da ich als Kind eher Angst vor Eseln hatte und ich mich vage an eine Situation im Streichelzoo erinnern konnte, bei der ein Esel mich regelrecht verfolgt und gejagt hat, hätte ich mir nie im Traum vorstellen können, dass Esel einmal zu meinen absoluten Lieblingstieren zählen werden. Auch mein erster Praktikumstag verhieß nichts Gutes, als mich Lillifee, eine der Lottihof-Eseldamen, auf dem Weg zur Führanlage quer über den Hof hinter sich herzog. Damals spürten die Tiere natürlich, dass ich ein Neuling auf diesem Gebiet war und tanzten mir ganz schön auf der Nase herum. Doch je mehr Zeit ich mit den Eseln verbrachte, desto besser lernte ich durch ihr Verhalten und Körpersprache ihre Bedürfnisse zu deuten, und heute kenne ich von jedem unserer Esel die ganz persönlichen und bei jedem unterschiedlichen LieblingsKraul-Stellen. Unsere jungen Esel, Mariechen und Jakob, zum Beispiel lieben und genießen es total, wenn man sie in und an den Ohren krault. Dann strecken sie vor Wohlbehagen den Kopf so lang wie nur möglich aus und stehen ganz still da.

Die Esel Greta und Jakob
Die Esel Greta und Jakob erobern jedes Herz im Sturm. Foto: aktion tier Lottihof

Gerade Mariechen (Zwergesel, 5 Jahre) hat mein Herz im Sturm erobert. Jung, frech und aufdringlich wie sie ist, verlor ich dank ihr Tag für Tag jegliche Berührungsängste, und ich nenne sie liebevoll meine kleine "Nervensäge". Durch ihr offenes Wesen und ihre Lust daran, Neues zu lernen, wählte ich sie als Erste für die Bodenarbeit aus. Jedes Tier hat dabei sein eigenes Tempo, und bei so manchem muss man sehr viel Geduld aufbringen. Mariechen jedoch lernt wahnsinnig schnell, und man merkt einfach, dass sie richtig Lust auf das Training hat. Mittlerweile ist sie eine richtige Angeberin und bestreitet mit mir den kompletten Parcours im Zirkel – vom aufs Podest gehen bis zum Slalomlauf – ganz ohne Führstrick und nur auf meinen Fingerzeig. Darauf bin ich wirklich sehr stolz, denn Vertrauen und Zuneigung sind die Grundvoraussetzungen und natürlich hilft auch das eine oder andere Leckerchen. Damals als Kind noch panisch vor ihnen geflüchtet, kann ich mir heute ein Leben ohne die Langohren nicht mehr vorstellen.

Abschließend möchte ich sagen, dass mein erstes Jahr auf dem aktion tier Lottihof  spannend, abwechslungsreich und einfach nur wunderbar war, denn kein Tag glich dem anderen, und ich gehe wirklich jeden Tag gerne zur Arbeit. Ich freue mich auf all die Jahre, die noch kommen werden und hoffe, dass Sie, liebe Leser, uns bei Gelegenheit mal einen Besuch abstatten. Die Tiere und wir freuen uns auf Sie.